Schalplatte Beatles Live at the Starclub in Hamburg

Diesen Text habe ich 2020 ursprünglich nicht öffentlich bei Facebook gepostet. Mehr Likes und Kommentare habe ich nur für die Geburten meiner Kinder bekommen. Die Beatles berühren immer noch. Eine Freundin schrieb: „Ach Gika, diese tolle Geschichte könntest du als gut bezahlte Kolumne in einer guten Zeitschrift geschrieben haben. ❤“

Das hier ist mein etwas verspäteter Post zum Thema 60 Jahre Beatles in Hamburg. Bei den Beatles kann ich mich allerdings nicht kurz fassen. 🎶 ❤️

Auf den Bildern könnt ihr sehen, in was ich Ende der 80er Jahre mein Taschengeld investiert habe.

Immer dienstags abends kam bei R.SH (Radio Schleswig-Holstein) eine Sendung über die Beatles, ich glaube immer um 21 Uhr. Selbstverständlich sollte ich dann eigentlich irgendwann schlafen. Ich habe mir also mein Radio-Kassettending heimlich unter die Bettdecke gesteckt, nur ganz leise gehört und mein Ohr an den Lautsprecher gedrückt. Dabei habe ich eine Stunde lang durchgehend die Antenne festgehalten, weil das Signal sonst zu schlecht war. Und natürlich habe ich das alles wenn möglich auf Kassette aufgenommen.

Am nächsten Tag in der Schule haben meine Freundin T. und ich die Sendung besprochen. Eines Tages fiel die Sendung aus, obwohl sie in der Hörfunkzeitschrift (ja, sowas hatten wir und haben tatsächlich in das Programm geguckt) angekündigt worden war. T. und ich riefen deshalb in der Schulpause von der gelben Telefonzelle vor der Sophie-Barat-Schule aus bei R.SH an. Die waren leider nicht sehr nett am Telefon. In den Wochen danach fiel die Sendung meiner Erinnerung nach öfter mal aus, irgendwann wurde sie ganz eingestellt. (WIE KANN MAN SOWAS MACHEN??? Aus dem tollen R.SH wurde ein langweiliges Formatradio.)

Ein Lied aus der Sendung, für das ich meine Kassette immer wieder zurückgespult habe, war das hier: ein Demotape von Paul McCartney von Come and get it, das er für Badfinger komponiert hatte. Er spielte – laut Radiomoderator – alle Instrumente selbst ein (und löste damit endgültig mein Kindheitsvorbild „Straßenmusiker mit Gitarre, Mundharmonika und Schlagzeug auf dem Rücken“ ab).

Die Rollenverteilung zwischen T. und mir hatten wir auch schnell geklärt: Sie war John verfallen, ich Paul. Ins Poesiealbum klebte sie mir ein ganz frühes, cooles Schwarz-Weiß-Foto von John mit Lederjacke.

Meine allerersten CDs habe mir gekauft, noch bevor ich überhaupt einen eigenen CD Player hatte. Diese etwas schäbig aussehende Box mit 3 CDs der Beatles gab es damals im Angebot oben in der Musikabteilung von Karstadt in der Mönckebergstraße. (Erinnert ihr euch daran, wie riesig es damals dort war? Das war das Paradies!) Um die Musik hören zu können, musste ich zu meiner Großtante ins Dachgeschoss gehen und sie bitten, dass ich ihren CD Player nutzen darf. Dann saß ich da und habe einfach nur zugehört. Es war immer etwas Überwindung, denn die Bude meiner Tante hat furchtbar nach nassem Hund gestunken und wirklich entspannt war es bei ihr auch nicht. Aber für die Beatles muss man auch Opfer bringen können.

Mein erster eigener CD Player war übrigens aus dem Quelle Katalog und hielt länger als alle folgenden.

Die Platte „With the Beatles“ habe ich so ungefähr in der 6. Klasse eine ganze Zeit lang abends zum Einschlafen gehört. Hach, dieses wunderbare Knistern. Natürlich war ich nach der A-Seite noch lange nicht eingepennt und bin heimlich nochmal vom Hochbett runtergekrabbelt, um die Platte umzudrehen.

Ich bereue es ziemlich doll, dass ich meinen Schallplattenspieler aus Platzmangel (wann werden die reichen Immobilienhaie endlich enteignet?) verkauft habe. Die wichtigsten Platten habe ich aber behalten, und ja, ich kaufe mir einen neuen, hier ist eh immer alles zu voll. (Update 2022: Ich habe einen neuen Plattenspieler zum 45. Geburtstag geschenkt bekommen zusammen mit dem Weißen Album!)

Die Kassette von den Beatles in Hamburg habe ich bei meiner Mutter gefunden, ihr geklaut und nie zurückgegeben. Ich war als Kind komplett fassungslos darüber, wie sie ihre große Chance, die 60er Jahre mitzuerleben, so ungenutzt lassen konnte. Also, ich war kindlich sauer auf sie, weil sie es nicht mal versucht hat, zu einem der Konzerte zu gehen, obwohl sie 1960 schon 22 Jahre alt war, und ich konnte auch nicht verstehen, wie sie kein krasser Fan werden konnte und überhaupt.

Meine erste eigene Kassette war Yellow Submarine. Die habe ich von meiner Patentante geschenkt bekommen, nachdem ich im Magazin Kino am Lattenkamp „A Hard Day’s Night“ gesehen habe. Das Magazin Kino, noch so ein Paradies. Meine Freundin C. war mit mir im Kino und schrieb mir danach den Songtext von A Hard Day’s Night auf Englisch und Deutsch komplett und superschön ordentlich ab. (Songtexte mit der Hand abschreiben, macht man sowas heute noch?)

Auf Yellow Submarine gab es eine Perle: „Hey Bulldog“. Ich singe öfter das Bassriff davon und warte auf den Tag, an dem jemand das erkennt. Die tollere Kassette war allerdings Sgt. Pepper’s. Ich meine, was für eine krasse neue Welt, wenn man zum ersten Mal „A Day in the Life“ hört. Und was meine Textsicherheit angeht: Ich glaube, ich kann nix so gut wie alles vom roten Album. Und das weiße Album: Wie kann man so großartige Stücke wie Dear Prudence und Glass Onion aufnehmen und danach mit Ob-La-Di Ob-La-Da alles so komplett zerstören? Das ist das einzige Lied, bei dem ich vorspule bzw. heutzutage weiter klicke.

Ja, ich war in Liverpool, ja, ich habe ein unscharfes Foto der Beatles bei Madame Tussauds in London gemacht, ja, ich habe Paul McCartney einmal live gehört. Ich hätte auch einmal fast Tony Sheridan live gehört (für die Unwissenden: die Beatles begleiteten ihn bei „My Bonnie“, bevor sie selbst erfolgreich waren), obwohl ich seine Musik gar nicht mag. Er sollte im Suhrhof in Bergedorf spielen. Ich habe meine Mutter dahin geschleift, aber das Konzert fiel aus.

Einmal saß ich mit ein paar Musikern in einer Kneipe in Neumünster. Im Hintergrund kam „Something“. Ich kann dann nicht so gut weiter reden, sondern muss zuhören. Ich meinte „Beatles hören ist ein bisschen wie nach Hause kommen“. Ein Mitmusiker verstand mich, und seitdem wusste ich: Er ist einer von den Guten.

Ich bilde mir im Übrigen ein, dass mein Essen besser schmeckt, wenn ich beim Kochen laut Beatles höre und mitsinge. (Und ich habe wegen Corona in den letzten Monaten viel mehr selbst gekocht.) Wenn wir mit dem Auto fahren, dann verbindet sich mein Handy immer aus Versehen von alleine mit dem schrabbeligen Bluetooth Radio und spielt Beatles Lieder ab, weil das die einzige Musik ist, die auf meinem immer zu vollen Handy auch immer aus Versehen wieder aus der Cloud runtergeladen wird.

Aber das allerbeste ist: Meine zwei Jüngsten singen bzw. schreien ganz oft und sehr laut „Don’t let me down“! Sie gucken sehr gern mit mir zusammen das Rooftop Concert an. Neulich haben sie sich sogar Bücher über die Beatles mit mir angeguckt und wollten alles wissen.

So, das war jetzt nur ein sehr kleiner Teil von dem, was ich euch alles erzählen wollte, aber ihr wisst vielleicht, was ich meine. (Beatles forever!)

Die Spotify Generation tut mir leid, weil sie nicht wissen, um was für wunderbare Erfahrungen und Entdeckungsreisen sie gebracht werden. Ich kann zu fast jeder CD, Kassette, Platte sagen, wo ich sie her habe und irgendeine Geschichte erzählen, und ich fühle ganz doll viel.

 


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