Fischschwarm, Foto: Steve Halama/Unsplash

Bei Fischen und Vögeln gibt es viele Arten, die Schwärme bilden. Dabei orientiert sich jedes Individuum an seinen direkten Nachbarn. Jeder Fisch oder Vogel versucht, immer den gleichen Abstand zum Nebentier zu halten. Wenn ein Tier z. B. einem Feind ausweicht, weicht der Nachbar in der gleichen Richtung aus, die anderen folgen ihnen, und so bewegt sich der gesamte Schwarm. 

Vögel gucken schneller als Menschen

Vögel reagieren sehr schnell auf die Bewegungen der Nachbartiere. Das ist u.a. dadurch möglich, dass die Augen von Vögeln eine sehr hohe Auflösung von Bildern pro Sekunde haben. Beim Menschen verschwimmen Bilder ab ca. 20 bis 23 Bildern pro Sekunde zu einem Film. Bei Vögeln passiert das erst bei 120 bis 150 Bildern pro Sekunde.  

Im Schwarm mit verbundenen Augen

Auch Fische orientieren sich mit Hilfe ihrer Augen und passen so ihre Geschwindigkeit den Nachbartieren an. Damit sie auch in der gleichen Richtung schwimmen, bedienen sie sich ihres so genannten Seitenlinienorganes. Dieses Organ ist ein offenes Kanalsystem auf der Haut der Fische, in dem sich Sinneshärchen befinden, die durch Druckänderungen im Wasser verbogen werden. Fische können so sehr genau wahrnehmen, was ihre Nachbarn tun und fühlen jede einzelne Schwanzbewegung. Für die Schwarmbildung ist das Seitenlinienorgan sehr viel wichtiger als die Augen: Versuche haben gezeigt, dass Fische auch mit verbundenen Augen Schwärme bilden können.

Spezialisten mit synchronisiertem Flossenschlag

Sowohl bei Vögeln als auch bei Fischen spielt außerdem der Körperbau eine Rolle. Fische können nur Schwärme bilden, wenn sie die gleiche Größe haben. Ist das nicht der Fall, sind die Druckwellen zu unterschiedlich, zu denen sich die Tiere in einer ganz bestimmten Position ausrichten, um energetisch am effizientesten zu schwimmen. Bei Spezialisten unter den Schwarmfischen wie z.B. Thunfischen haben alle Tiere sogar den gleichen Flossenschlag. 

Bei Vögeln ist die Form der Flügel besonders wichtig: Sind die äußeren Federn besonders lang, kann der Vogel schneller fliegen. Sind die Federn direkt am Körper länger, dann ist der Flügel runder und der Vogel kann besser steuern. Stare z. B. können mit ihrer spitzen Flügelform besonders dichte Schwärme bilden, ohne dass es zu Kollisionen kommt.  

Schutz vor Fressfeinden

Solche dichten Schwärme bieten mehrere Vorteile: In einem flirrenden Schwarm kann sich ein Angreifer schlecht auf ein einzelnes Tier konzentrieren. So wird es nicht so leicht zur Beute. Außerdem kann ein Tier Kräfte sparen, wenn es hinter anderen schwimmt oder fliegt. Manche Schwärme jagen auch gemeinsam und kommen so an Beutetiere heran, die sie alleine nicht überwältigen könnten.

Dieser Text entstand 2006 zunächst für den WDR.

Foto: Steve Halama / Unsplash


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